Der Gesang der Blätter

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Der Gesang der Blätter
Fantasiereise zur Entspannung

Es ist ein schöner, warmer Frühherbsttag.
Die Sonne scheint. Kleine, weiße Federwölkchen ziehen über den Himmel.
Ein köstlicher Duft lockt dich im Park zu den hohen Bäumen am Ende der Wiese hinüber.
Du schnupperst.
Süß riecht es hier und gleichsam erdig und frisch.
Es ist ganz still. Nichts regt sich.
„Hallo“, hörst du plötzlich eine Stimme von irgendwoher aus den Baumkronen rufen. „Komm! Setz dich zu uns. Bleibe ein Weilchen. Wir haben eine Überraschung für dich.“
Du zögerst, schaust dich um, dann lächelst du.
Da bewegt sich etwas zwischen all den ruhig in der Baumkrone ruhenden Blättern.
Ein Blatt der großen Buche oben im zweiten Ast rechts ist‘s, das zu dir spricht. Es hat einen hellen Fleck in der Blattspitze und winkt dir mit einem fröhlichen Schaukeln zu.
Nun dreht es sich um den eigenen Stängel, schwingt noch einmal leicht hin und her und verharrt dann in Stille wie all die anderen Blätter am Baum.
„Hallo!“, sagst nun auch du und schaust zu dem Blatt hinauf.
„Danke für die Einladung. Ich bleibe gerne für eine Weile bei euch. Unter eurem Blätterdach ist es sehr gemütlich.“
Zur Antwort wiegen sich die Blätter der Buche nun leise hin und her.
Sanft, sacht, ganz leise.
Es klingt wie ein zärtliches Summen unzähliger heller Stimmchen.
Schön klingt das.
Du schließt die Augen und stimmst in das Summen mit ein.
Eine kleine, feine Melodie ist‘s, die wie eine Welle jeweils für ein paar Takte einen Ton höher, dann wieder einen Ton tiefer erklingt.
Einen Ton höher.
Hmm. Hm. Hmmm.
Hin und her. Hin und her.
Einen Ton tiefer.
Hmm. Hm. Hmmm.
Hin und her und hin und her.
Höher.
Tiefer.
Wieder und wieder singt ihr, die Blätter und du, diese kleine, feine Blättermelodie.
Hmm. Hm. Hmmm. Hm hmmmmm…
Und du spürst, wie du ich ruhig fühlst und entspannt.
Alles ringsum fühlt sich leicht an. Ganz leicht.
Du bist ganz entspannt.
Deine Gedanken singen. Sie singen mit den Blättern der Buche.
Und dieser Gesang fühlt sich gut an. Und beruhigend.
Und er klingt sehr schön.
Hmm. Hm. Hmmm.
Einen Ton höher.
Hmm. Hm. Hmmm.
Einen Ton tiefer.
Höher.
Tiefer.
Und – hmm, hm, hmmm – streicht der Wind sanft durch das Blätterdach.
Wieder und wieder bringt er die Blätter zum Schwingen und Singen.
Zärtlich streicht er auch über dein Gesicht und du fühlst dich gut aufgehoben.
Spürst du, wie der Wind zart über dein Gesicht streicht?
Du fühlst dich wohl.
Ruhig bist du. Entspannt, leicht, frei.



Dann hält er inne, der Wind.
Und langsam, ganz langsam, endet der Gesang der Blätter.
Und langsam, ganz langsam singst du die kleine Melodie noch einmal leise für dich in Gedanken nach.
Dann öffnest du die Augen und schaust in die Blattkrone hinauf.
Da! Das Blatt im zweiten Ast oben rechts löst sich von seinem Zweig und schwebt federleicht zu Boden.
Es landet genau vor dir.
„Nimm mich mit!“, flüstert es dir zu. „Ich möchte gerne bei dir bleiben, damit du unser Lied nie vergisst.“
Du nickst.
„Prima!“, sagst du und bückst dich.
Vorsichtig hebst du das Blatt auf und nimmst es mit nach Hause.

© Elke Bräunling