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Die Farben des Winterbaumes
Fantasiereise

Es ist Winter und es ist kalt. Du wartest auf Schnee, blickst zu den gelbgrauen Wolken hinauf und träumst ein bisschen.
„Hallo“, ruft dir da der Apfelbaum, dessen Äste nun kahl in den Himmel ragen, zu. „Komm! Besuche mich!“
Den Baum besuchen? Warum nicht?
Du gehst näher.
Da neigt der Baum dir seine winterkahlen Zweige zum Gruß zu und Wind sirrt durch seine Krone.
„Bitte gerne, bitte hier, sei Willkommen gern bei mir.
Bitte gerne, bitte hier, Gäste freun mich immer hier.
Bitte gerne, bitte hier…“
Leise säuseln die Zweige des Apfelbaums ihren Willkommensgruß.
Verwundert und auch ein wenig aufgeregt starrst du den Baum an.
Ist es ein Zauberbaum, der sprechen kann, oder hast du das nur geträumt?
Während du überlegst, schiebt sich die Sonne hinter den Wolken hervor.
„Hallo!“, ruft der Baum ihr zu.
„Ich grüße dich!“, antwortet die Sonne. „Darf ich mich bei dir ausruhen?“
Wieder sirrt der Wind durch durchs Geäst und der Baum antwortet:
„Bitte gerne, bitte hier, sei Willkommen gern bei mir.
Bitte gerne, bitte hier, Gäste freun mich immer hier.
Bitte gerne, bitte hier…“
Da setzt sich die Sonne mitten in die Baumkrone. Ihre Strahlen tauchen die Zweige in ein helles Braun, die Knospen der Blätter und Blüten betupfen sie mit golden schimmernden Pünktchen. Wie ein Goldbaum aus der Schatzkiste eines Königs sieht der Apfelbaum nun aus.
„Wie schön du bist!“, willst du rufen. „Wie ein Schmuckstück siehst du aus. Und ich …“
Doch da bricht schon die Dämmerung herein.
Die Sonne schickt zum Abschied das Abendrot, das den Baum für wenige Minuten tiefrot bemalt. Dann senkt sich Dunkelheit über den Garten.
Nun ist’s der Mond, der dem Apfelbaum seinen Besuch abstattet. Sanft streicht der alte, weise Nachtwanderer über die Spitzen der Baumkrone. Er schmückt die Zweige mit tiefblau silbergrauen Farbtönen. Ein Märchenbaum ist aus dem Apfelbaum nun geworden.
Da naht auch schon die Morgenröte. Sie legt einen rosafarbenen Schleier über das Land. Den Apfelbaum schmückt sie mit silbergelbgoldrosa farbenen Streifen. Schön sieht das aus.
Wolken ziehen heran. Sie färben das Land grau und bringen Regen. Pling, pling, pling nehmen Wassertröpfchen auf Zweigen und Ästen Platz. Tief dunkelbraun, geschmückt mit silbern glänzenden Tropfenperlchen, sind jene nun.
„So viele Farben!“, rufst du. „Wie schön du bist, alter Baum!“
„Psst!“, raunt der Baum dir zu. „Schau!“
Du blickst auf. Und da! Da sind sie! Schneeflocken.
Leise und zart fallen sie aus der dicken Wolke, die über dem Garten liegt.
Und leise und zart legen sie sich auf die Zweige und Äste des Apfelbaums.
Schneeflocke an Schneeflocke. Dicht legen sie sich zusammen zur Winterruhe im Apfelbaum.
Und nun steht er vor dir, der alte Baum, im weißen Schneekleid.
Wie ein Zauberbaum sieht er nun aus, so schön und weiß und auch ein bisschen fremd.
Du staunst. „Nun bist du ein echter Winterbaum“, sagst du andächtig.
Und der Baum antwortet:
„Bitte gerne, bitte hier, sei Willkommen gern bei mir.
Bitte gerne, bitte hier, Gäste freun mich immer hier.
Bitte gern, bitte hier…“
Das Murmeln des Baumes wird leise und leiser … und du erwachst aus deinem Traum.
Was für ein Wunderbaum der alte Apfelbaum doch ist, denkst du.
Du blickst wieder aus dem Fenster, und da siehst du sie!
Schneeflocken!
Leise und zart rieseln sie zur Erde hinab.
Und leise und zart legen sie sich, Schneeflocke an Schneeflocke, auf die Zweige des alten Baumes.
Nun hat die Winterruhe endgültig begonnen.
„Schlaf gut!“, rufst du deinem Baumfreund zu.
Der aber regt sich nicht mehr.
Er schläft bereits.

© Elke Bräunling

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