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Nach dem Gewitter
Fantasiereise – Sommerfantasie

Gewitter magst du nicht leiden. Sie ängstigen dich.
Auch wenn du weißt, dass du dich nicht fürchten musst, sind sie dir unheimlich.
Wenn es blitzt und donnert, spürst du, wie dein Herz schneller zu schlagen beginnt.
Wenn der Sturm mit heftigen Böen einsetzt, hältst du vor Schreck den Atem an.
Und wenn die Regentropfen wie Peitschenhiebe hart und heftig vom Himmel prasseln, ist dir wieder einmal bewusst, wie wenig du Gewitter leiden magst.
Selbst wenn du sie von einem sicheren, geschützten Raum aus erlebst, sind Gewittermomente keine Momente, die du dir im Herzen bewahren möchtest.
Die Zeit nach dem Gewitter aber, die liebst du sehr, und wenn es dir möglich ist, gehst du hinaus in den Garten, den Park, den Wald oder in die Straßen deiner Stadt und genießt die frische Luft, die Kühle und die klare Sicht, die das Gewitter zurückgelassen hat.
So auch heute.
Weil du dich bei Blitz und Donner nicht mehr fürchten möchtest, stellst du dir vor, wie anders die Welt draußen nach dem Gewitter sein wird.
Schließe die Augen! Denke an die Frische, die Kühle und an die klare Luft!
Stelle dir vor, du verlässt nach einem Gewitter das Haus und besuchst einen Ort, den du magst. Den Garten, den Park, den Wald, die Dorfstraße, die Stadt.
Sieh dich um! Fühle! Spüre!
Die Luft, die gerade noch so schwül gewesen ist, erfrischt dich nun.
Überall steigt Dampf auf. Das Gewitter bemalt das Land mit seinem Abschiedsgruß.
Die Büsche und Bäume umhüllt es mit einem sanften Schleier aus Dunst.
Die Blätter, Gräser, Blumen und Büsche glitzern prächtig mit ihrem Regentropfenperlenschmuck.
Wolkenreste schleppen sich über den Himmel. Sie sind es leid, auf der Flucht zu sein. Schon aber erscheint ihre Verfolgerin, die Sonne, wieder am Himmel und nimmt die neue Jagd nach ihnen auf.
Du siehst es genau.
Die Wolken beeilen sich und verabschieden sich von der Bühne.
Stück für Stück für Stück übernimmt die Sonne wieder die Regentschaft über den Tag.
Du beobachtest, wie gründlich sie nun aufräumt.
Gierig leckt sie Regentropfen um Regentropfen auf. Sie umschlingt Pfützen und Wasserläufe mit ihren warmen Armen, bis sich sich in Dampf auflösen und gen Himmel steigen.
Sie kann nicht genug bekommen , die Sonne. Sie ist hungrig und gierig.
Für ein paar Stunden ist sie … wieder … die Herrscherin über dem Land.
Hinten, ganz hinten am Horizont aber warten schon neue Wolken. Sie lassen sich noch Zeit.
Auch du lässt dir Zeit.
Du genießt es, das Spiel der Sonne mit den Wassertropfen, Pfützen und Wolken zu beobachten.
Ruhig fühlst du dich dabei und zufrieden.
Du weißt, dass ein neues Gewitter, vielleicht, kommen kann.
Deine Furcht davor aber ist nicht mehr ganz so groß. Du weißt, dass es dazu gehört zum großen Sommerwettertheater.

© Elke Bräunling