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Die Farben des späten Herbstes
Fantasiereise/Atemübung

Unwirtlich ist es heute, nass, kalt und grau. Die Welt scheint über Nacht ergraut zu sein, als hätte sie sich in einen Schleier verhüllt. Es ist, als blickst du in einen Spiegel, der sich weigert, Farbtöne zu zeigen.
Du kennst dieses Gefühl gut. Besonders im Herbst, wenn sich die Dunkelheit nicht recht vom Tag verabschieden will, wünschst du dir die helle, bunte, von der Sonne warm geküsste Zeit zurück.
Du erinnerst dich an die letzten, warmen Tage dieses Herbstes und siehst noch einmal die kräftigen Farben der Dahlien, Herbstastern, Chrysanthemen und Hagebutten vor deinem inneren Auge. Die geben im Licht der schon tief liegenden Sonnenstrahlen noch einmal ihr Bestes und strahlen in einem kraftvollen Farbenspiel. Deutlich leuchten dir noch einmal die vielen Rot- und Gelbtöne der Herbstblätter, die sich tiefen, kräftigen Blau des Himmels spiegeln, entgegen. Farben, die so unwirklich schön sind, dass du dich in einem bunten Traum wähnst.
Farben, die man so nur in dieser Jahreszeit, in jenen letzten Tagen vor dem großen Grau, wahrzunehmen vermag.
Es ist das Winken der Herbstfarben und es sind die Schlussakkorde der Melodien des verglühenden Sommers, die sich zum Abschied noch einmal besonders große Mühe geben.
Schließe die Augen und sieh sie dir an, die Farben des späten, bunten Herbstes.
Genieße.
Atme die Erinnerung an das Bunt der Herbstfarben tief in dich ein.
Ruhig atmest du ein und aus. Tief ein und aus und ruhig und langsam.
Du atmest das Bunt tief in dich hinein.
Ein und aus.
Bunt.
Tiefes, intensives Bunt.
Ein und aus.
Tief. Bunt.
Atme die Herbstsonne, ihre Wärme und Farbspiele, die sie malt.
Tief.
Ein bisschen kehren die Farben auch in deinen Tag ein und lassen dich das Grau bunter sehen und fühlen.
Sie werden dich in grauen Herbst- und Wintertagen begleiten.
Sie werden dich atmen und wärmen.

© Elke Bräunling