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Auf der Geheimniskrämerwiese
Fantasiereise/Traumreise Weihnachtszeit, Advent und Geheimnisse

Sehr geheimnisvoll sind die Wochen vor Weihnachten.
Heute Morgen hast du vor der Tür ein kleines buntes Päckchen gefunden. Ein Buch war darin. Ein Märchenbuch mit dem Titel ‚Auf der Geheimniskrämerwiese’.
„Das ist ein Weihnachtswichtelgeschenk“, hat Mama gesagt.
Ein Weihnachtswichtelgeschenk? Von wem?
Zu gerne möchtest du das wissen. Ein Weihnachtswichtel aber ist ein Geheimnis. Er beschenkt die Menschen nämlich nur heimlich.
„Geheimnisse sieht man zuerst nicht“, sagt Mama. „Dann aber ist man auf einmal sehr überrascht.“
Darüber denkst du den ganzen Nachmittag nach.
Du schaust auf das neue Buch mit dem geheimnisvollen Titel.
„Wie es wohl aussieht auf einer Geheimniskrämerwiese?“, überlegst du.
Du schließt die Augen – und plötzlich stehst du auf einer Wiese, die eigentlich mehr wie ein Rasen im Park aussieht.
Du betrittst die Wiese und willst dich auf die Suche nach den Geheimniskrämern machen.
„Aua“, schreit da eine dünne Meckerstimme. „Pass auf, wohin du trittst!“
Du wunderst dich. Wer hat da gerufen?
„Wer bist du?“, fragst du. „Und wo bist du?“
„Mach deine Augen auf!“, schnarrt die Stimme. „Hier auf der Wiese natürlich.“
Hier auf der Wiese? Du schaust dich um. Da ist nur Gras.
„Ich sehe nichts“, sagst du.
„Häh“, meckert die Stimme wieder. „Geheimnisse sind unsichtbar. Und wir Weihnachtswichtel, nun ja, wir sind es auch.“
„Schade“, sagst du. „Aber was macht ein Weihnachtswichtel im Gras?“
„Wohnen“, quäkt der Wichtel. „Wir wohnen hier.“
Und dann beginnt er zu singen:
„Auf der Geheimniskrämerwiese
liegt das Weihnachtswichtelland.
Wichtel sind zur Weihnachtszeit
wohl jedermann bekannt.
Sie kommen ganz leise auf heimliche Weise,
– pssst – schon sind sie hier,
und dann ist auf einmal viel Freude bei dir.“

Der unsichtbare Wichtelmann singt und singt.
Dann, auf einmal sind da noch andere Stimmen: hohe und tiefe, quäkende und brummige, piepsige und meckernde.
Ein wundersamer Wichtelchor hallt über die Wiese.
Toll klingt das! Du freust dich.
„Ich mag Geheimnisse“, rufst du. „Und ich mag euch Weihnachtswichtel.“
„Ja ja, klar klar“, antwortet einer der unsichtbaren Wichtel. „Alle Kinder mögen uns gut leiden, besonders in der Weihnachtszeit. Die nämlich ist voller Geheimnisse. Pass nur gut auf!“
„Ja“, rufst du. „Ich werde aufpassen.“
Da fängt das Gras an zu wachsen und auf einmal ähnelt jeder Grashalm einem tanzenden Wicht. Vor dir wiegen sich nun tausend und abertausend kleine Wichtelmänner wie Grashalme im Wind.
„So viele Wichtel!“, staunst du. „Und wie niedlich ihr seid!“
„Jawohl, jawohl, jawohl ja“, quäkt die Wichtelstimme von vorhin. „Wir haben alle unsere Geheimnisse, hähähähä.“
„Hähähä“ quieken und quäken und meckern und schnarren die Wichtelmänner durcheinander, und jeder versucht, den anderen zu übertönen.
Du lachst nun auch.
Im gleichen Moment werden die vielen tausend Wichtelmänner klein und kleiner, bis am Ende das langweilige Gras wieder vor dir liegt.
„Tschüß, ihr Geheimniskrämer“, rufst du. „Und auf bald!“
„Auf bald!“, antworten viele tausend unsichtbare Wichtelstimmen. „Wir wünschen dir eine schöne Weihnachtszeit. Und vergiss uns nicht.“
Die Geheimniskrämerwiese mit ihren Wichtelmännern vergessen?
„Niemals“, rufst du und öffnest die Augen.
Du greifst nach dem Buch, das dir ein Weihnachtswichtel heute geschenkt hat. Dabei überlegst du, wem auch du eine kleine Geheimniskrämer-Wichtelfreude machen wirst.

© Elke Bräunling