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Das Frühlingsblütengeheimnis
Fantasiereise

Es ist einer dieser Tage, an denen der Winter nicht gehen und der Frühling nicht kommen möchte. Der Himmel ist trübe und der Wind, der vom Osten her weht, lässt die Kälte noch ein bisschen kälter erscheinen.
Du bist in einer jener Stimmungen, an denen es dir im Zimmer zu warm und draußen zu kalt ist. Du hast das Gefühl, dass dich gerade nichts zufrieden stellen kann. Es ist kein Gefühl, das für eine gute Laune zu sorgen vermag.
Du möchtest aber gut gelaunt sein. Warm möchtest du es haben. Und hell.
Vielleicht, denkst du, ist der Frühling ja schon ganz nahe?
Vielleicht, überlegst du, musst du ihn nur suchen?
Und vielleicht, glaubst du, würdest du dich fröhlicher fühlen, wenn der Frühling dir ein Zeichen gäbe?
Ja, das würde dir gefallen.
Du beschließt, dich auf die Suche nach einem Frühlingszeichen zu machen.
Du gehst in den Garten. Trübe ist es hier.
Mit aufmerksamen Blicken gehst du über die Wiese, vorbei an den Staudenbeeten und dem Kräutergarten zu der Ecke mit den beiden Apfelbäumen hinüber. Vielleicht, hoffst du, blühen hier schon erste Schneeglöckchen oder Krokusse oder ein Gänseblümchen gar.
Du schaust und schaust, während du über das wintergraue Gras gehst.
Aber du siehst hier nur den Winter.
Auch dem Herbst begegnest du. Er raschelt und knistert unter deinen Füßen.
Es sind die Herbstblätter, die hier und da noch das Gras bedecken.
Hart sind sie geworden über Winter. Hart und steif und sie rascheln und knacken unter deinen Füßen. Das hört sich lustig an.
Du läufst gleich noch einmal und noch einmal über den Blätterboden. Ein bisschen tanzt du sogar.
Es macht Spaß, die alten Blätter knacken und rascheln zu lassen.
Und dann ist dir auf einmal nicht mehr kalt. Du lächelst.
Gleich hast du noch mehr Lust, ein bisschen über die Winterwiese mit ihren raschelnden Herbstblättern zu tanzen.
Wieder und wieder drehst du dich im Kreis und dann lachst du.
Laut und fröhlich lachst du in den grauen Winterhimmel hinauf.
Da! Die graue Winterwiese verwandelt sich für einen kurzen Moment in eine bunte Frühlingswiese, auf der viele süß duftende Frühlingsblümchen blühen.
Jedes Herbstblatt hat sich in ein zartes Frühlingsblümchen verwandelt.
Winterlinge siehst du, Huflattich, Schneeglöckchen, Märzenbecher, Krokusse, Primeln, Vogelmiere, Gänseblümchen, Traubenhyazinthen, Buschwindröschen, Veilchen, Schlüsselblumen, Narzissen, Lungenkraut, Vergissmeinnicht, Blaustern und Sauerklee.
Und du stehst mitten im kunterbunten Frühlingsbunt.
Du blickst dich um.
Schön ist es auf dieser Wiese.
Und wie es hier duftet!
Hmm.
Du spürst in dir die Freude über dieses duftende Farbenwunder und merkst, dass deine gute Laune zurückgekommen ist.
Sie bleibt auch bei dir, als sich die Frühlingswiese wieder in eine Winterwiese verwandelt und du im spätwinterlichen Garten auf knisternden Herbstblättern stehst.
Du schnupperst. Ein bisschen ist er noch da, der Duft der Frühlingsblüten.
Und dort am Stamm des alten Apfelbaumes, blitzt es dort nicht gelb zwischen zwei Blättern hervor?
Eine Krokusblüte ist’s, die dort warm und geschützt den Weg ans Licht gewagt hat.
Ein erstes Frühlingszeichen.
Nun ist der Frühling wirklich schon im Wintergarten angekommen. Und jeden Tag wird er dir nun ein bisschen näher sein.

© Elke Bräunling

Zu dieser Fantasiereise findest du hier die passende Geschichte. Auch hier werden Herbstblätter zu Frühlingsblüten: Mia, der Frühling und das kunterbunte Wunderbunt